Kampf dem weißen Tod

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Besuch beim SLF, Davos

Gibt es das tatsächlich: Leute, die sich ausschließlich mit Schnee beschäftigen? Die Tag für Tag Kristallformen, Lichtreflektion, Schmelzverhalten und vieles mehr penibel untersuchen? Ein wenig verwunderlich mag das schon sein, doch am Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) existiert wirklich nur ein Thema - Schnee. Wir haben uns während der Osterfahrt 2003 bei einem Besuch davon überzeugt.

Bei Eintritt in die heiligen Hallen der Schneeforschung bleiben wir etwas irritiert vor einer futuristischen Antennenanlage stehen. "IMIS-Stationen (IMIS = Interkantonales Mess- und Informationssystem)", wie unser Begleiter Ingo später erklärt, sind hochsensibele Messstationen, die an über 100 Orten im schweizer Alpenraum aufgestellt sind. Ohne diese Geräte und die Meldungen der SLF-Beobachter müssten die Forscher auf wichtige Daten für ihre Arbeit verzichten.

Zu den bekanntesten Tätigkeiten des SLF zählt die Erstellung des Lawinenlageberichtes. Anhand von Wetterdaten, Niederschlagsmengen, Sonneneinstrahlung etc. beurteilen die Forscher zweimal täglich die Lawinengefahr für verschiedene Regionen. Zur gezielten Vorbereitung ist der Lawinenlagenbericht für Tourengeher und Variantenfahrer unerlässlich, und auch für die Bergwacht und weitere Sicherheitsdienste (z.B. die Straßensicherheit...) nutzen die Informationen. Der jeweils aktuelle Lawinenlagebericht hängt an den Talstationen aus und kann auch im Internet abgerufen werden: http://www.slf.ch/avalanche/avalanche-de.html

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Forschungsprojekten. Natürlich sitzen nicht alle SLF-Forscher den ganzen Tag im -17 Grad Celsius frostigen Kältelabor, das für uns bei der Besichtigung ein willkommener Gegensatz zum schwül-stickigen Vortragsraum war. Im Gelände und am Schreibtisch wird beispielsweise untersucht, welche Vorrichtungen (Stützverbauungen, Schutzwald,....) und Materialien (Beton, Drahtseilkonstruktionen, Holz) bei einem Lawinenabgang wirksam schützen können. Oder welche Auswirkungen zum Beispiel der vermehrte Einsatz von Kunstschnee mit sich bringt. Das SLF verlässt sich dabei nicht nur auf genaue Beobachtungen (zum Beispiel am Versuchsfeld Gaudergrat), sondern verfügt auch über eine Schneegleitbahn am Weißfluhjoch für wissenschaftliche Versuche. Außerdem gibt es im Vallée de la Sionne (Wallis) ein großflächiges Versuchsgelände, wo Echt-Lawinen ausgelöst und mit Video und Radargeräten beobachtet werden können. Mit komplexen Computermodellen wird dann versucht, das Geschehen nachzuvollziehen und Prognosemodelle zu entwickeln.

Aufgrund seiner umfassenden Aktivitäten gilt das SLF als renommierteste Institution der Schneeforschung weltweit. Seit die Schweizer in 1936 in einer Baracke am Weißfluhjoch mit ersten Messungen begannen, sind die Davoser Forscher immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Großes Aufsehen erregten in den vergangenen Jahren zum Beispiel die Studien von A. Munter, der die Auslösung von Lawinen durch "hot spots" (punktuelle Spannungen in der Schneedecke) erklärte und damit die Forschung revolutionierte. Doch bis heute lässt sich nicht exakt vorhersagen, wann und wo Lawinen abgehen.

Das SLF beteiligt sich zwar an der Entwicklung von Schutzausrüstungen wie dem Lawinenairbag oder Verschüttetensuchgeräten. Doch einen Rat gibt uns Ingo zum Abschied mit auf den Weg: "Besser als jede Schutzausrüstung, die im Fall der Fälle helfen kann, ist es, durch umsichtiges Verhalten Lawinenabgänge zu vermeiden. Jede Lawine ist schließlich lebensgefährlich."

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