Ostern in Davos - Erinnerungen und Generationswechsel!

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Bild von Michael CramerMann war ich stolz. In jenem Jahr, es muss so Ostern 1963 oder 1964 gewesen sein, durfte ich zum zweiten Mal mit der SGN nach Davos zum Skifahren. Wie schon im Jahr davor wieder ins von-Sprecher-Haus. Meine Eltern hatten mir tatsächlich die so sehnlich erwünschte Ausrüstung spendiert. So eine Art Jet-Hose in grau mit passender Jacke, statt der blöden grünen(!) Keilskihose mit messerscharfen Bügelfalten und Band unter der Fußsohle. Mit Schnallenskischuhen aus rotem Kunststoff, statt der alten Lederskischuhe, bei denen man mühsam einen meterlangen Senkel sorgfältig um endlose Reihen von kleinen Haken ziehen musste, um wenigstens einen gewissen Halt zu erreichen. Aber das Beste waren dann doch die Ski. Mit meinen nagelneuen Kneissl Whitestar, hatte die nicht der Karl Schranz zu dieser Zeit populär gemacht(?), stand ich endlich aufgeregt am späten Abend auf dem Essener HBF und wartete auf den Sonderzug der SGN nach Davos. Von Muttern begleitet -in dem Alter muss man halt auch ein paar Abstriche machen, hoffentlich würde mir wenigstens der mütterliche Abschiedskuss incl. der unvermeidbaren Ermahnungen vor all den Anderen erspart bleiben- (blieb er nicht!).

Es war bereits dunkel und auf unserem Bahnsteig herrschte ein unglaubliches Gedränge. Immerhin sind damals ja wohl über 1000 Skibegeisterte aller Alterstufen mitgefahren. Schulterklopfen, Stimmengewirr und immer wieder fröhliches, lautes Begrüßen und ´in-die-Arme-fallen` von all denen, die sich nach einem Jahr nun zum ersten Mal wieder trafen: "Du auch wieder dabei!" und "Weißt Du noch die rote/schwarze Piste" und "Die/Den habe ich auch schon irgendwo hier gesehen". Alte Freundschaften wurden in Sekunden erneuert und die Abendluft vibrierte voll freudiger Erregung. Gleichzeitig war man nervös damit beschäftigt die Koffer und die unhandlichen Ski irgendwie beieinander zu halten, herauszufinden wo denn nun der eigene Wagon zum Stehen kommen würde und wie man seine Siebensachen ins richtige Abteil bekommen sollte (letztendlich wurde so mancher Koffer einfach durch ein Fenster in den Gang gekippt).

Ich denke jeder von uns hat eine eigene kleine "Sammlung" von ganz besonders eindrücklichen Erlebnissen aus der Jugendzeit irgendwo im Kopf gespeichert und diese nächtlichen Zugfahrten mit der SGN sind mir immer noch, fast wie kurze Videoclips, in lebendiger Erinnerung, Man schloss Freundschaften, die in einigen Fällen sich noch bis heute gehalten haben. Ja sogar meine allererste "große Liebe" habe ich auf solch einer Fahrt kennengelernt (noch so ein Videoclip) und bin mit ihr sogar noch vor drei Jahren zum Essen gegangen um mal über alte Zeiten zu reden. Sogar da waren die Fahrten nach Davos noch ein großes, gemeinsames Thema.

Bild von den KindernEs folgten noch viele weitere Fahrten. Ostern in Davos wurde zu einem festen Termin in meinem Leben. Nach dem von-Sprecher-Haus kam "die Brauerei", dann ein Hotel, dessen Namen ich vergessen habe, das Sporthotel uvm. . Während ich dies schreibe, tauchen immer neue Erinnerungen auf. Viel zu viele, um diese hier auch noch zu schildern. Die Abschlußrennen mit späterer Siegerehrung im "Grand-Hotel"(?), das "Gipsabteil" auf der Rückfahrt für die 4 - 6 Unglücklichen, die es bei jeder Fahrt traf, weil damals die Sicherheitstechnik nicht auf dem Stand von heute war. Nach einigen Jahren wurde ich stolzes Mitglied der Renngruppe und von der SGN zu kleineren Trainingslagern und schließlich den westdeutschen Meisterschaften in Willingen geschickt.

Mit Studium, berufliche bedingtem Umzug nach Ostfriesland und Familiengründung endete meine SGN-Zeit, nicht jedoch die Erinnerung daran, und so mussten meine Kinder bei gemeinsamen Skiurlauben immer wieder mal Papas Erzählungen von glorreichen, alten Zeiten in Davos über sich ergehen lassen.

2006 schließlich fand ich es an der Zeit, meinen Sohn auch einmal all diese Erfahrungen machen zu lassen. Ohne Eltern verreisen, gemeinsam Sport treiben und Spaß haben. Meldete ihn bei der SGN an und war gespannt, was er bei seiner Rückkehr zu berichten hatte. Kein Sonderzug mehr, kein von-Sprecher-Haus, stattdessen zwei(!) Busse und das Haus Oberwinterthur Ich konnte es nicht glauben. Aber er war begeistert und wollte 2007 unbedingt wieder mitfahren. Diesmal meldeten wir auch seine ältere Schwester mit an und siehe da, es gab sogar wieder das von-Sprecher-Haus für die Kids! Am Donnerstag vor ihrer Abreise überlegte ich mir kurzentschlossen, selber mit nach Davos zu fahren. Nach einigen Telefonaten fand sich noch ein freies Zimmer im Casanna und ganz unbürokratisch ließ sich auch noch eine Mitfahrgelegenheit in einem der Busse der SGN organisieren. (Danke Euch Leute!). Es folgte ein last-minute Vereinsbeitritt per Telephon und PC und meine Frau förderte erfolgreich meine verstaubten alten Skisachen zutage. Am Samstag, 31.03.2007 fuhren wir nach Essen und nach über 35jähriger Pause hieß es dann für mich wieder: "Mit der SGN nach Davos!". Diesmal mit den eigenen Kindern.

Ich will es hier nicht noch länger werden lassen, aber -ich habe es sehr genossen. Die Aufnahme bei all den alten Hasen dort war einfach toll, als ob ich nie weg gewesen wäre. Das Wetter war wie bestellt, und ich hatte Spaß ohne Ende. Es tauchten sogar noch ein paar alte Namen auf, die mir noch was sagten, es fanden sich mit gemeinsamen Bekannten aus alten Zeiten reichlich Anknüpfungspunkte und Gesprächsstoff. Mit den Kindern werde ich also auch im nächsten Jahr wieder mitfahren. Sie werden ihre eigenen Erfahrungen machen, ihre eigenen kleinen Siege feiern, neue Freunde kennenlernen- und wer weiß- vielleicht eines Tages auch ihre Kinder wiederum mit der SGN nach Davos schicken. Es schließt sich der Kreis!

Falls jemand von "anno der 60iger Jahre" Interesse hat, Erinnerungen und Erfahrungen aufzufrischen:
Michael.Cramer@gmx.net !

An die SGN: sportliche Grüsse und auf viele weitere - OSTERN IN DAVOS -

Michael Cramer